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Grenzen verschieben | Rekord-Saison in Zahlen und Fakten

Während in Deutschland die ersten Bärte des Jahres gekurbelt werden, werfen wir einen kurzen Blick zurück auf die vorangegangene Saison in Namibia.
Grenzen verschieben | Rekord-Saison in Zahlen und Fakten

Der Anlass für einen Beitrag zur Saison 2026 ist ein einfacher. Zum ersten Mal übertrafen die Flüge über Namibia im Zeitraum von Oktober bis Januar die Marke von 2 Millionen Punkten! Wir wollen diesen Rekord mit ein paar Statistiken, Eindrücken und Statements erfolgreicher Piloten beleuchten.

Allgemein

2,09 Millionen Flugkilometer, verteilt auf 2889 Flüge, sammelten die Piloten dieses Jahr von den vier Startplätzen Bitterwasser, Kiripotib, Pokweni und Veronica. Das ist beachtlich, denn dieser Wert bedeutet einen Zuwachs gegenüber der vorangehenden Saison von stolzen 19 % bei der Anzahl der Flüge und 11 %, wenn man die gesamten Flugkilometer betrachtet. Gleichermaßen erhöhte sich auch die Anzahl der geflogenen Stunden von knapp 16.000 auf weit über 18.000.

Wenn wir einen Blick auf die Verteilung der Flugkilometer auf die vier Startplätze werfen, sehen wir folgendes Bild:

Die Punkte pro Flug verhalten sich ausgeglichener:

Die magische Grenze

Die 1000 km wurden insgesamt 594 mal geknackt - somit erzielte knapp jeder fünfte Flug ein vierstelliges Ergebnis. 7% aller Flüge (203) übertrafen die 1100 km. 60 mal ging es weiter als 1200 km. Nur ein halbes Prozent aller Flüge schaffte mehr als 1300 km (17). 1400 km und mehr wurden nur bei drei Flügen erflogen. Zur Frage, wie wahrscheinlich ein Flug über 1500 km in den nächsten Jahren sein wird, später mehr.

Material

Kein Geheimnis ist, dass der Arcus M das beliebteste Muster für Flüge in Namibia darstellt. Ganze 65 % der Flüge fanden mit dem beliebten Doppelsitzer statt. Auch auf dem zweiten Platz rangiert ein Schempp-Hirth-Segler: 10,8 % aller Starts entfallen auf den Ventus 3 M. Darauf folgt mit dem TwinShark SL ein weiterer Doppelsitzer mit 8,8 %, dicht gefolgt von der EB28 in verschiedenen Versionen, die insgesamt 6,5 % ausmacht. Erwähnenswert sind 90 Flüge von Elektro-Eigenstartern. Neben der bewährten Antares 20E (1,9%) kam dieses Jahr auch zum ersten Mal eine AS33 Me in Namibia zum Einsatz. Der Flieger mit dem niedrigsten Index war wie in einigen Vorjahren eine PIK20E, erstmals sind in dieser Saison auch vierstellige Flüge mit diesem Muster auf WeGlide zu finden.

Bemerkenswerte Flüge

Wir wollen an dieser Stelle noch ein paar besondere Flüge beleuchten und die Stimmen der jeweiligen Piloten hören. Los geht es - wer hätte es gedacht - mit dem weitesten Flug dieser Saison. Am 16. Dezember legten Simon Briel und Enrique Levin insgesamt 1486 km zurück und blieben so nur noch einen Steinwurf von den 1500 entfernt.

Was machte diesen Tag so gut und schnell? Welche Herausforderungen gab es?

Die ungewöhnlich feuchte Wetterlage hat dafür gesorgt, dass sich schon gegen 9 Uhr erste Wolken im Bereich Bitterwasser gebildet haben. In Kombination mit dem starken Nordwind konnten wir trotz recht niedriger Basis einen schnellen und langen ersten Schenkel fliegen.

Am frühen Nachmittag hat die Überentwicklungstendenz zugenommen, und so hat sich im Bereich von Aranos westlich von uns ein Überentwicklungskomplex mit gut erkennbarem Outflow gebildet. Allerdings war das System schon etwas am Abbauen als wir dort ankamen, das haben wir zu optimistisch eingeschätzt und den Punkt zum Steigen verpasst. Dadurch mussten wir uns lange in einem sehr turbulenten, mittleren Höhenband aufhalten.

Am späteren Nachmittag haben diverse Schauer und großflächig ausgebreitete Gebiete die Situation etwas unübersichtlich gemacht und größere Kursablagen verlangt. Zum Abend hat sich dann glücklicherweise eine gut nutzbare Schauerlinie direkt über Bitterwasser gebildet, die es ermöglicht hat, bis Sonnenuntergang die Geschwindigkeit hochzuhalten.

Was braucht es in Zukunft, damit die 1500 km in Namibia möglich werden?

Nach der Wolkenentwicklung hätte man sicherlich 15 min früher starten können. Damit wären die 1500 km schon möglich gewesen. Auch haben wir im Bereich des oben beschriebenen Outflows aufgrund unserer Fehleinschätzung viel Zeit verloren.

Nicht zuletzt ist es auch eine Frage des Flugzeugs. Der Arcus ist ein äußerst universelles Flugzeug, aber mit einem Offenen-Klasse Flugzeug der letzten Generation wie einer EB29DR sollten an solchen Tagen eher 1600 km das Ziel sein.


Den punkthöchsten Flug verzeichnete Tobias Welsch am 4. Dezember mit 1417 Punkten.

Wie lässt sich die zurückliegende Saison charakterisieren?

Die Saison zeichnete sich durch mehr Feuchtigkeit in der Atmosphäre aus, als wir es die letzten Jahre gewohnt waren. Daher gab es selten längere Perioden mit reiner Blauthermik.

Was sind die Komponenten, die bei diesen riesigen Flügen eine Rolle spielen?

In Namibia geht es immer darum, Linien zu finden. Diese unterscheiden sich von normalen Wolkenstraßen, weil eigentlich immer zwei Luftmassen mit verschiedenen Eigenschaften zur Verfügung stehen müssen. Das prominenteste Beispiel ist die Konvergenz im Westen. Dort hat man auf der einen Seite die wolkenlose Luft über der Namib, die uneingeschränkte Einstrahlung erfährt und auf der anderen Seite die tollen Cumuli. Im Grenzbereich ist es dann am besten und es bilden sich die Linien, die für die hohen Schnitte notwendig sind.


Enen weiteren besonderen Flug absolvierten Maximilian Schäfer und Klaus Reinhold am 11. November: 1250 FAI deklariert, einmal rund um den Luftraum von Windhoek. Es ist das erste Dreieck dieser Größe auf WeGlide in Namibia, das diese Auslegung aufweist.

Übersicht aller 1250 km FAI Dreiecke in Namibia auf WeGlide - hervorgehoben der Flug vom 11. November

Was macht diese Route so herausfordernd?

Die Route ist schwierig, da man im Nordwesten über lange Teile wenig bis keine Außenlandemöglichkeiten hat und diese nur sicher mit einer entsprechend hohen Basis zu überbrücken sind. Deswegen ist die Route auch fast ausschließlich gegen den Uhrzeigersinn möglich, da morgens die Basis noch so niedrig ist, dass man nicht sicher die unlandbaren Stücke übergleiten kann. Desweiteren kann man nicht nach Hause abbiegen, was bei einer schaurigen Wetterlage, wie sie oft vorkommt, oftmals ein mulmiges Gefühl verursacht.

Welche Rolle spielte der extrem frühe Start?

In Namibia fliegt man ein Rennen gegen Sunset und nicht gegen Thermikende - die Tage sind im Regelfall kurz, im Vergleich zu den Hammertagen in Deutschland. In unserem Fall war es aber wirklich sehr sonderbar. Mit der ersten Wolke ist meist erst gegen 11 zu rechnen. Bei uns war es bereits um 9:30 Uhr voll entwickelt, was im Regelfall ein Zeichen dafür ist, dass der Tag sehr früh überentwickelt. Das Gegenteil war der Fall – es wurde blau. So etwas habe ich bei so frühen Entwicklungen noch nie erlebt, geschweige denn eine Wolke über Bitterwasser um 8:59 Uhr lokal.


Zum Abschluss hören wir noch von Nils Zitzelsberger, der in dieser Saison das Glück hatte, Teilnehmer beim 1000 km Camp sein zu dürfen. Mit seinem Flug am 26. November machte er auf sich aufmerksam: 1405 km mit einem Schnitt von 166 km/h.

Was verschaffte diesem Tag sein Potential und wie hast du es genutzt?

Wir rechneten mit starken Überentwicklungen über die gesamte Tageslänge. Eine Abschirmung vormittags verlangsamte diesen Prozess allerdings, das war essenziell. Dann ging es darum, die Grenzbereiche zu identifizieren, in denen es im Begriff war, überzuentwickeln, aber noch fliegbare Bedingungen vorherrschten. Diese Linien zwischen Schauern und Wolkentürmen waren spektakulär und ermöglichten Schnitte um die 200 km/h über große Teile des Fluges.

Zum 1000 km Camp: Was sind deine schönsten Erinnerungen?

Neben den tollen Flügen erinnere ich mich am liebsten an die tolle Gemeinschaft am Boden. Ich konnte viele Kontakte knüpfen und hatte gute Gespräche. Es war für mich eine unvergessliche Zeit, vielen Dank an Wilfried!


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