Zwei neue Piloten für Förder-Nimbus
Mit Jonas Zeller und Benedikt Waegele erhalten zwei talentierte Junioren in der Saison 2026 die Möglichkeit, offene Klasse zu fliegen. Dabei treten sie in große Fußstapfen. Wir erfahren mehr über ihr Profil und ihre Ziele mit dem Förderflugzeug Nimbus 4T EP.
Stellt euch kurz im fliegerischen Kontext vor.
Jonas Zeller: Ich bin 24 Jahre alt, fliege seit 2016 und komme aus Karlsruhe. Seit ich im Jahr 2017 meinen Schein erhalten habe, habe ich meine Fliegerei gezielt auf den Streckensegelflug ausgerichtet. Im Jahr 2022 bin ich meinen ersten zentralen Wettbewerb geflogen und habe meinen fliegerischen Horizont dadurch deutlich erweitert. Inzwischen habe ich etwa 1300 Flugstunden gesammelt, bin Mitglied im D-Kader Baden-Württemberg sowie im C-Kader und seit 2025 außerdem Fluglehrer.

Benedikt Waegele: Ich fliege seit 2022 in Königsdorf. Mittlerweile habe ich fast 900 Flugstunden. 2025 war ich Sportsoldat, was mir einen enormen Erfahrungsschub lieferte und mir ermöglichte, an den verschiedensten Orten Europas Segelzufliegen.

Was war eure Motivation, euch auf die EP zu bewerben?
BW: Ein großer Ansporn waren für mich die Flüge von Felix Herold in der vergangenen Saison. Es war krass, dabei den deutlichen Leistungsunterschied der Flugzeuge zu spüren. Allerdings war ich von der „Echo Papa“ schon fasziniert, als Johannes Beyer sie 2023 in Königsdorf hatte – seitdem ist dieser Flieger ein festes Ziel von mir. Mich begeistern einfach die unglaublichen Möglichkeiten, die die Offene Klasse bietet, besonders jetzt, wo seit letztem Jahr auch der Motor zur Verfügung steht.
JZ: Die EP ist für mich ein ganz besonderes Flugzeug. Schon vor vielen Jahren, als ich den Flugschein noch nicht hatte, habe ich immer beobachtet, wer mit der EP unterwegs ist und welche beeindruckenden Flüge damit gemacht werden. Natürlich habe ich schon damals mit dem Gedanken gespielt, wie es wohl wäre, eines Tages selbst mit diesem geschichtsträchtigen Flugzeug unterwegs zu sein.
Fliegerisch erhoffe ich mir von der EP einen Perspektivwechsel. Ein Flugzeug dieser Leistungsklasse bin ich noch nie geflogen. Die EP ermöglicht mir, mich als Pilot weiterzuentwickeln, neue Streckennetze zu erschließen und meine fliegerische Komfortzone bewusst zu erweitern. Außerdem reizt es mich schlichtweg, zu erleben, wie es ist, mit einem Flugzeug am oberen Ende der leistungstechnischen Fahnenstange zu fliegen.

Welche eurer Flüge aus 2025 waren ausschlaggebend für eine gute Bewerbungsgrundlage?
BW: Hervorzuheben war insbesondere der 16. April, als ich mit der LS8 1600km in der Standardklasse fliegen konnte. Eine solche Föhnlage so spät im Frühjahr ist einmalig. Die Tageslänge versprach schon ein großes Potenzial und es wurde dann auch richtig gut. Der durch Thermik unterstützte Hangwind machte die Mittagsstunden brutal schnell. Leider endete der Flug mit einer Außenlandung in Innsbruck.
JZ: Ausschlaggebend für mich war mit Sicherheit der große Standardklasse-Flug am 16. Mai. An diesem Freitag bin ich in Bruchsal, zusammen mit Jens Kammerer, gegen 09:30 Uhr zu einem 10,5 Stunden langen Flug aufgebrochen. Schon als wir um 10 Uhr den ersten Bart mit 2,5 m/s gekurbelt haben, war uns klar, dass das kein normaler Tag werden würde. Am Ende sind wir mit 1.097 Kilometern und 10 Stunden Meetingzeit wieder in Bruchsal gelandet. Damit war das der punkthöchste Flug im deutschen Flachland im Jahr 2025 (!).
Der Nimbus 4T "EP" ist ein Förderprojekt des Förderverein Segelflug e.V. Hier erfahrt ihr mehr über das Projekt und worauf es bei einer Bewerbung ankommt:


Jonas, du bist beheimatet in der LSG Rheinstetten, deine größten Flüge hast du allesamt von Bruchsal absolviert. Woran liegt das?
Der FSV Karlsruhe in Rheinstetten ist mein Heimatverein. Dort engagiere ich mich, dort bin ich verwurzelt.
Für große Flüge jedoch hat Bruchsal ein paar entscheidende Vorteile: Der Standort liegt günstiger zum Odenwald, bietet bei frühen Abflügen oft den schnelleren Einstieg und eröffnet in jeglicher Hinsicht mehr Optionen. Durch gute Kontakte und eine unkomplizierte, herzliche Fliegerkameradschaft konnte ich dort zudem immer zuverlässig einen F-Schlepp bekommen. An dieser Stelle möchte ich mich nochmals herzlich für die stetige Unterstützung beider Vereine bedanken.
Verspürst du Ergebnisdruck aufgrund der riesigen Fußstapfen, in die du trittst?
Mir ist bewusst, dass viele hervorragende Piloten die EP vor mir geflogen haben. Ich sehe das jedoch weniger als Druck, sondern vielmehr als Motivation. Natürlich möchte ich gute Ergebnisse abliefern und den Flieger würdig vertreten, aber ich weiß auch, dass die offene Klasse für mich völlig neu ist. Für 2026 geht es mir vor allem darum, viel zu lernen, mich weiterzuentwickeln und die Erfahrungen mitzunehmen. Wenn dabei auch gute Resultate herauskommen, freue ich mich umso mehr.
Die ehemaligen Piloten des Nimbus 4 T "EP" haben wir letztes Jahr interviewt. Hier könnt ihr noch einmal nachlesen:


Bene, du erwähntest bereits dein Sposo-Jahr: Von Wettbewerb zu Wettbewerb, dazwischen Trainingslager: Planst du mit dem Nimbus mehr freie/DMSt Flüge, so wie dein Vorgänger Felix?
Ja genau, hauptsächlich will ich mich dieses Jahr auf Dmst und freie Flüge fokussieren. Daneben habe ich mir aber auch einen Wandersegelflug fest vorgenommen. Das wird sicherlich eine tolle Erfahrung, die meinen fliegerischen Horizont erweitert.
Und Jonas, was sind deine Pläne für nächstes Jahr?
Die Saison ist schon gut umrissen. Natürlich steht das Nationalmannschafts-Trainingslager, das dieses Jahr gemeinsam mit dem D-Kader BW in Neresheim stattfindet. Direkt im Anschluss fliege ich auf dem Hahnweidewettbewerb. Genau wie Bene möchte ich gerne einen Wandersegelflug unternehmen und natürlich auch an die tollen Leistungen im freien Flug/DMSt von Bruchsal aus anknüpfen.
Vielen Dank euch beiden für die Einblicke! Wir drücken euch die Daumen für gutes Wetter und sind gespannt auf eure Flüge!
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