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Vive la Fayence - Segelflug in einer neuen Dimension

23 Mal über 1000 km und dreimal über 1100 km, das alles in nur sieben Tagen. Die Ausbeute des siebentägigen Youngster-Camps 2022!
Vive la Fayence - Segelflug in einer neuen Dimension

Insgesamt 35.536 km in 41 Flügen mit ca. 318 Flugstunden. Im Mittel wurden 867 km mit 117,8 km/h geflogen. Dabei wurden 23 Mal über 1000 km und dreimal über 1100 km geflogen. Das alles in nur sieben Tagen!

Die Ausbeute des Youngster-Camp 2022. Dazu luden Anfang August Manfred Dick und Wilfried Grosskinsky ein, um gemeinsam Südfrankreich zu erleben. Das Sicherheits- und Gesamtkonzept war ein voller Erfolg. Zudem sollte neben der Fliegerei natürlich auch der gesellschaftliche Teil nicht zu kurz kommen. Wissensaustausch, gemeinschaftliche Aktivitäten und nette Gespräche sollten das Wiedersehen aller prägen.

Die französischen Seealpen. Ein idealer Ort für den Segelflug. Zuverlässige und vielseitige Wetterlagen, atemberaubende Ausblicke und Fliegen bis Sunset prägen das Gebiet. Dementsprechend viele Startplätze gibt es in Südfrankreich. Jeder hat unterschiedliche Vorlieben: Der eine mag in seinem Urlaub die volle Dröhnung Segelflug, der andere bevorzugt die etwas ruhigeren Plätze, oder sogar die Möglichkeit neben dem Segelflug noch anderweitig den Urlaub zu verbringen.

Wie es scheint, die Qual der Wahl. Doch wo kann man unsere Außgangslage einordnen? Fayence, eine kleine Gemeinde mit knapp 6000 Einwohnern, ist rund 50 km von Nizza entfernt und bettet sich harmonisch in die hügelige Landschaft der Provence-Alpez-Cotes d'Azur. Der Flugplatz befindet sich am Fuße von Fayence und bietet mit seiner Weitläufigkeit einen hervorragenden Blick auf Stadt und Landschaft. Hier lässt sich schon bei der Ankunft erahnen, dass auch neben der Fliegerei ordentlich Alternativprogramm für einen "klassischen Urlaub" geboten ist.

Ein mancher würde jetzt behaupten, dass Fayence aus Segelflieger-Sicht seine besten Tage gesehen hat. Früher, in den 1950er Jahren, die Geburtsstätte des Wellenfluges und jahrelanger Hotspot für den Höhendiamanten für Flieger aus ganz Europa. Im Laufe der Jahre sprossen immer mehr Fluggelände aus dem Boden und Fayence wurde von vielen Streckenflug-Enthusiasten etwas aus dem Auge verloren.

Doch allerspätestens seit dem spektakulären Flug von Lokal-Matador Baptiste Innocent im letzten Jahr, wobei von ihm ein FAI-Dreieck mit Wendepunkten auf der Insel Korsika und Italien aufgespannt wurde, ist Fayence wieder in aller Munde.

Als ob die Leistungen von Baptiste nicht schon Grund genug wäre, das Youngster-Camp in Fayence stattfinden zu lassen, hatten es Manfred und Wilfried sogar geschafft, ihn als Coach zu gewinnen. Die Youngster waren aus dem Häuschen und die Vorfreude dementsprechend vorprogrammiert!

"Die zweite Augustwoche ist der perfekte Zeitpunkt für soch ein Camp, da das Wetter normalerweise heiß und trocken ist: Die beste Kombination für die Alpen. Ein paar Tage vor Beginn waren wir allerdings etwas besorgt über die Wetterentwicklungen. Zwar herrschten Anfang August wirklich atemberaubende Bedingungen, wobei große Flüge, sogar in das Massif Central, möglich waren. Die zweite Woche wurde allerdings eher feucht und gewittrig vorhergesagt. Doch wie so oft diese Saison, war die Vorhersage etwas zu pessimistisch und wir konnten jeden Tag fliegen und die Gewitter nahmen nicht all zu großen Einfluss auf unsere Flüge." -Baptiste Innocent-

Klar ist, dass die Wahrscheinlichkeit guter Wetterlagen zu dieser Jahreszeit groß ist. Doch die Bedingungen im geplanten Zeitraum waren zur Freude aller das Sahnehäubchen des eh schon außergewöhnlichen Events der Extraklasse.

Flugrouten mit markanten Punkten

Bei Betrachtung der Karte könnte man meinen, es handele sich um eine sorgfältige Auswahl spannender Flüge einer gesamten Saison. Doch weit gefehlt, es ist die unbeschreibliche Ausbeute unserer Flugwoche, welches vom 05. - 13.08.2022 stattfand.

Der fliegerische Fokus lag dabei klar darauf, die Sicherheit mit großen Strecken in den Einklang zu bringen. Neue Routen wurden entdeckt und altbekannte Gebiete vertieft, mit permanenten Fokus auf das sichere Fliegen im alpinen Raum. Aber nicht nur die Youngster sollten in dieser Woche auf ihre Kosten kommen, doch dazu später mehr. Fakt ist: An sieben Tagen hintereinander konnten jeweils mehrere, teils auch alle Teams, Strecken von mehr als 1000 km fliegen!

Nun stellt sich die Frage, wie es möglich war, für jeden das Maximum an Erlebnis, samt steiler Lernkurve herauszuholen. Sowohl das Material, als auch die Coaches konnten kaum hochklassiger sein, ein Trainingscamp der Superlative. Das Besondere: alle waren füreinander da und alle Guides, vor allem Baptiste, haben ihr wertvolles Wissen gerne geteilt und wertvolle Hinweise gegeben. Das ist nicht selbstverständlich und alle Teilnehmer waren unglaublich dankbar dafür, merci Baptiste! Im Kern standen drei Arcus M (RL, AA, 6) und ein Ventus 3M (4i) zur Verfügung. Zudem konnten sich auch Klaus Reinhold und Guy Bechthold das Trainingslager nicht entgehen lassen. Die beiden reisten mit EB 28 (3i) und Arcus M (X) spontan aus Fuentemilanos an.

Jeder Teilnehmer hat nach seiner Anreise einen Einweisungsstart mit Fluglehrer gemacht, um die örtliche Situation am Platz samt Hausberge unter die Lupe zu nehmen. Zudem gab es zu Beginn ein ausführliches Eröffnungsbriefing, wobei alle relevanten Dinge, welche das Fliegen in Fayence betreffen abgehandelt wurden. Sicherheit wird hier großgeschrieben und das ist gut so. Der Dank gilt hier besonders Bernd Haupert, Arny Weber und Hans Ulrich Meuters, allesamt langjährige Fluglehrer in Fayence mit bester Ortskenntnis.

Im Anschluss ging es richtig los. Ausreichend Sitzplätze waren vorhanden und die Trainees rotierten täglich durch, um mit einem der Coaches wie Baptiste Innocent, Simon Schröder, Tobias Welsch oder Max Schäfer zu fliegen. Alle hatten die Möglichkeiten von den Besten der Besten zu lernen und gemeinsam das Segelfliegen in einer neuen Dimension kennen zu lernen.

Jeden Morgen gab es ein ausführliches Briefing von Baptiste, in dem die Flüge vom Vortag und das Wetter samt Flugtaktik vom bevorstehenden Flugtag besprochen wurden. Im Anschluss wurden die Flieger fertig gemacht und auf die Piste gebracht. Die Startzeit war meistens gegen 10:15 Uhr Ortszeit angesetzt, das relativ früh für Südfrankreich ist. Ziel war es, möglichst gemeinsam abzufliegen und tagsüber im lockeren Info-Team unterwegs zu sein.

So nahm das Youngster-Camp seinen Lauf, und wie es lief! Wie eingangs schon erwähnt, war die Flugausbeute in der Woche unglaublich hoch und alle landeten jeden Abend mit einem breiten Lächeln im Gesicht.

Trotzdem gab es den ein oder anderen Tag, welcher herausragend war: Gleich am zweiten Tag gab es die Wetterlage her, weit ausgedehnte Flüge in den Nordosten zu unternehmen. Doch, dass es fast bis nach Samedan langen würde, hat sich morgens im Briefing kaum jemand getraut in den Mund zu nehmen.

Bapitste Innocent/Jules Mathay (RL) - Grün, Tobias Welsch/Joshua Rieger (6) - Blau, Max Schäfer/Max Maslak (X) - Lila

An der Wende ist ein Blick in das Tal gelungen und die Wolken lagen auf. Dort war das Wetter definitiv vorbei, den Wetterraum voll ausgenutzt. Abends bildete sich die klassische Konvergenz westlich von Puimoisson, welche zum Verlängern einlud. Der 16 Jährige Jules Mathay aus Luxemburg ist dabei besonders auf seine Kosten gekommen. Zusammen mit Großmeister Baptiste ist ihm mit über 1000 km sein bisher größter Flug gelungen! Die ersten vierstelligen Flüge des Camps sind gefallen und viele weitere sollten folgen.

Auch am Folgetag standen die 1000 km auf dem Zähler, wobei hier nicht ganz so weit geflogen wurde. Einige Teams haben das Wallis erreicht. Doch am vierten Tag ähnelten die Bedingungen, zumindest in der Prognose, Tag zwei und der Wendepunkt Samedan wurde erneut in Angriff genommen. Sameda, ein Traum vieler Piloen, die in Südfrankreich fliegen und erst von wenigen erfolgreich umrundet wurde. Das Wetter war in Realität allerdings tiefbasiger, als erhofft. Doch zwei Flieger sprangen über den letzten Pass, um die Wende zu nehmen. Der Zeitplan für die Wende war mit 15:30 Lokal für die Wetterverhältnisse sportlich angesetzt. Die 3i bekam dies dann auch am eigenen Leib zu spüren, als der Sprung zurück scheiterte und erneut nach Samedan fliegen musste, um die Höhe für den Pass zu machen. Schon dort wurde es ein Kampf. Doch alle Teams, inklusive der 3i haben es wieder bis nach Hause geschafft und der Lernfaktor war enorm. Wieder ein 1000er Tag!

Tag fünf war ebenfalls vierstellig. Besonders gefreut hat es die Youngster, dass auch Manfred Dick, Klaus Reinhold und Guy Bechthold an diesem Tag in den Genuss kamen bis weit in den Norden zu fliegen!

Am Folgetag, gab es wieder Flüge für die Ewigkeit. Baptiste hatte schon am Vorabend angekündigt, dass es möglich sein wird ins Massive Centrale, westlich von den Seealpen, zu springen. Morgens wurde die Taktik für den Sprung, sowie alle relevanten Lufträume gebrieft. Letztendlich wagten es drei Flieger und wurden mit Namibia verdächtigen Bedingungen belohnt. Mit den Gewittern in den Seealpen ständig in Blick wurde die Heimreise zeitig angetreten und schon um 19 Uhr lokal landete die Reisegruppe mit 1000 km in Fayence, was für ein Erlebnis!

"Alle Flüge waren atemberaubend, doch der Mittwoch ist mir besonders in Erinnerung geblieben. Schon einige Tage im voraus hatte ich beobachtet, dass es mitte der Woche möglich sein könnte den Sprung ins Massif Central zu wagen. Die Vorhersage blieb stabil und ich stellte meine Idee im morgendlichen Breefing vor. Dort haben wir den Flug akribisch vorbereitet (Routenplanung, Wetter, Lufträume), dementsprechend reibungslos lief der Flug ab. Die Bedingungen, welche uns im Massif Central erwarteten waren sogar besser als Erwartet. Man hatte das Gefühl in Namibia unterwegs zu sein. Der Rückweg nach Fayence war nicht einfach, da überall Gewitter eingelagert waren. Doch im Team fanden wir eine gute Linie und ich würde sagen es war für alle der spannenste Tag im Youngster-Camp, nachdem man all die glücklichen Gesichter nach der Landung gesehen hat." -Baptiste Innocent-  

Simon Schröder/Guy Bechthold (X) -Grün, Max Schäfer/Clemens Pape (3i) -Blau, Baptiste Innocent/ Max Maslak (RL) - Lila, Tobias Welsch/Florian Heilmann (6) - Gelb

Tag sieben und erneut wurde die magische Zahl geknackt. Dieses Mal von den Coaches Simon Schröder und Tobias Welsch, die es sich nicht nehmen ließen zusammen zu fliegen. Am letzten Flugtag wurde dann wieder zahlreich 1000 km geflogen. Highlight war hier der Flug von Baptiste, der zusammen mit Wilfried unterwegs war. Wilfried, bekannt für seine unzähligen 1000 km Flüge aus der Eifel und Namibia, ist schon sehr lange nicht mehr in den Alpen geflogen. Er hat zurecht viel respekt vor der Fliegerei im Relief, aber trotzdem das Projekt voller Elan unterstützt, danke Wilfried! Alle haben sich mit ihm über diesen Flug gefreut.

Wilfried und Baptiste glücklich nach der Landung 
"Der Flug am letzten Tag mit Baptiste in der EB war mein Flug Nr. 282 über 1.000 km und einer meiner erlebnisreichsten Flüge. Von Begeisterung bis Entsetzten, war alles dabei." -Wilfried Grosskinsky-

Auch Manfred kam, zur Freude aller nochmals voll auf seine Kosten am letzen Flugtag.

"Für mich persönlich war der letzte Tag mein bisher schönstes Flugerlebnis. Simon Schröder in der RL, zusammen mit Klaus Reinhold und Max Schäfer mit mir in der AA flogen über 10 Stunden im engen Teamflug. Die beiden Flugzeuge trennten nie mehr als 500 m. Eine unglaubliche Disziplin und Leistung von Simon und Max. Am Ende waren es jeweils ca. 1.020 km. Vielen Dank an Max und Simon für dieses zehnstündige und einmalige Erlebnis."  -Manfred Dick-

Was für eine Woche! Schon nach kurzer Zeit wurde der Tagesablauf zur Routine: Morgen um 08:30 Briefing, im Anschluss Flieger fertig machen, 10:15 Startbereitschaft, Fliegen bis Sunset, Abendessen und den Tag resümieren.

Es "hagelt" 1000er

Bei Betrachtung der Statistiken ahnt man schon, dass es sich um einen straffen Zeitplan handelte. Doch neben der Fliegerei lag der Fokus auch auf dem gesellschaftlichen, zum Ende des Tages waren alle dabei: die Truppe zusammenschweißen, gemeinsam die Erlebnisse verarbeiten und Pläne für die Zukunft schmieden.

Eigentlich war jeder Abend ein Highlight, als Beispiel der Grillabend, welcher von den Schlepppiloten aus Fayence, extra für uns veranstaltet wurde! Eine nette Geste, bei der viele neue Freundschaften geschlossen wurden. So hat es sich auch Uli Schwenk nicht nehmen lassen, über das Wochenende spontan das Event zu besuchen!

Wie schon anfangs beschrieben, bietet Fayence auch hervorragende Möglichkeiten für Alternativprogramme. Wenn ein Teil der Piloten Pausentage hatte, wurden Ausflüge zu nahe gelegenen Seen und Schluchten oder Fahren ins nahe gelegene Cannes und Nizza unternommen, so kam auch neben der Fliegerei richtiges Urlaubsfeeling auf.

Die Flüge und Bilder sprechen für sich. Ein Trainingslager für die Memoiren! Alle werden an diese Woche mit einem Lächeln zurückblicken. Von Mont Blanc, über den Aletsch-Gletscher, bis zum Matterhorn wurde alles beflogen. Ein Erlebnis mit unglaublichen Eindrücken, perfekt geeignet, um die Begeisterung für die derartige Fliegerei nach außen weiterzutragen!

Und genau darauf kommt es schließlich an, den Segelflug weiter voranzutreiben und eine Basis für die Zukunft schaffen! Ein riesengroßer Dank an Manfred und Wilfried, für Organisation und Bereitstellung des Materials, an alle Coaches und an den AAPCA Fayence für die tolle Gastfreundschaft. Die Infrastruktur des Clubs ist perfekt für ein Segelflug-Abenteuer. Der Club bietet mit schönen Unterkünften, täglichen Schleppbetrieb mit leistungsstarken Schleppmaschinen und einen Briefingraum mit professionellen, täglichen Briefings, die perfkekte Infrastruktur. All das wurde uns wurde vom Club zur Verfügung gestellt. Ein unglaublicher Dank an Vero, Francois, Helen, Jean, Melodie, Francois, Bernhard, Arny und Ulle, die alle mitgeholfen haben und an alle, die im Hintergrund tätig waren.

Die glücklichen Gesichter des Youngster Camps 2022 von links nach rechts: Maximilian Schäfer, Simon Schröder, Manfred Dick (Hintergrund), Uli Schwenk, Hans Ulrich Meuters (Fluglehrer AAPCA), Bernd Haupert (Fluglehrer AAPCA), Vero (Organisation AAPCA), Arny Weber (Fluglehrer AAPCA), Jules Mathay, Markus Uhlig, Joshua Rieger, Kilian Bichele, Max Maslak, Florian Heilmann, Tobias Welsch, Klaus Reinhold, Wilfried Grosskinsky (Hintergrund), Guy Bechtold, Clemens Pape, Baptiste Innocent (fehlt).

"Die Woche war einfach fantastisch. Als mich Manfred und Wilfried auf das Projekt ansprachen, war ich direkt begeistert und sagte sofort zu. Was kann ich über Fayence sagen? Es ist der Ort an dem alles für mich begann. Ich hoffe, dass ich nicht zu subjektiv bin, aber es ist einfach eine perfekt Ausgangslage für frühe Starts und späte Landungen und falls das Wetter wirklich mal schlecht sein sollte, kann man viele andere Dinge unternehmen. Ich bin schon von vielen Plätzen in Südfrankreich gestartet. Doch Fayence wird für mich immer die Nummer eins sein." -Baptiste Innocent-

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